18.10.2008

Elder, Dr. Alexander: Grundsätze des Tradens

Wir haben Dr. Alexander Elder zur Veröffentlichung der deutschen Ausgabe seines neuen Buches "Entries & Exits" interviewt.

Dr. Elder, können Sie uns einige Grundsätze des Tradens verraten?
Es ist ein mühsames Geschäft. Man muss gut vorbereitet sein. Man muss es lernen und studieren. Traden ist nichts was man einfach aus der Leidenschaft heraus kann. Man muss hart arbeiten, man muss die Märkte analysieren. Man muss lernen, die eigene Psyche zu kontrollieren. Und man muss lernen sein Kapital, sein Geld und die Risiken zu kontrollieren. Und man muss gute „Waffen“ in der Hinterhand haben.

Und was soll ein Tradingplan enthalten?
Jeder Trade kann mit drei Zahlen beschrieben werden: Einstiegspreis, erwarteter Profit und ein Stop. Ohne diese Zahlen hat man keinen Trade. Wenn die Leute sagen: Naja, jetzt kaufe ich, weil ich denke dass es rauf geht, frage ich mich: Wie weit rauf? Ein guter Freund, der übrigens auch in meinem Buch „Entries & Exits“ auftaucht, hat einmal ein gutes Beispiel gebracht: Wenn ich mich für eine Stelle bewerbe, möchte ich wissen, wie die Bezahlung ist und welche Zuschüsse es gibt. Genauso ist es beim Traden: Wenn ich mich auf einen Trade einlasse, möchte ich wissen, wie viel Profit zu erwarten ist.

Wie schaut es mit Risikokontrolle und Money-Management aus?
Die absolut wichtigste Regel für Trader ist die zwei Prozent Regel. Man sollte nie mehr als zwei Prozent seines Eigenkapitals in einem Trade riskieren. Klar kann man auch weniger riskieren aber nie mehr. Ein Beispiel: Wenn man mit 100.000 Dollar Kapital handelt, darf man nicht mehr als 2000 Dollar in einem Trade riskieren. Trotzdem sollte man immer versuchen weniger zu riskieren. Die meisten Trader gehen mit desaströsen Verlusten Pleite, aber wenn man diese einfache Regel befolgt kommt es gar nicht erst dazu.

Wann fingen Sie an, sich für Chartmuster zu interessieren?
Schon sehr früh. Ich mochte sie eigentlich von Anfang an. Irgendwie fühlte ich mich von ihnen angezogen. Die Fundamentalanalyse ödete mich an. Damit konnte ich mich nie anfreunden. Ich habe Freunde, die sich damit auskennen und ich rede gerne mit ihnen über ihre Ideen und Erkenntnisse. Aber Chartmuster mochte ich jedenfalls von Anfang an.

Und wann haben Sie angefangen zu traden?
Ich habe fast Angst es zuzugeben: Das war vor fast 30 Jahren. Aber das war mehr Glückspielerei als wirkliches Traden.

Benutzen Sie eigentlich eine bestimmte Chart-Software?
Ja, natürlich. Sicher ist es möglich auch ohne Software zu traden, aber es ist nun einmal heutzutage so, dass jeder mit dem Rechner arbeitet. Ich benutze derzeit fünf verschiedene Softwarepakete. Zwei zur Marktanalyse und drei zur Datenverwaltung. Für die Marktanalyse benutze ich „Trade Station“ und ein Programm namens „PC Telechart 2007“. Keines dieser Programme ist sinnvoll in Europa, weil sie an rein amerikanische Datenbanken gekoppelt sind. Wenn ich in Europa handeln würde, würde ich mir Programme wie Metastart oder e-Signal, zwei amerikanische Pakete, die weltweit funktionieren, zulegen. Oder so etwas wie ein länderspezifisches Softwarepaket, über die ich aber so jetzt nichts sagen kann.

Konnten Sie feststellen ob Trader an Aktienmärkten weniger systematisch vorgehen als Trader an Märkten, an denen mit Futures gehandelt wird?
Nein. Ich denke nicht, dass es da einen Unterschied gibt.

Rein hypothetisch: Wonach würden Sie einen Trader auswählen um Ihr Geld zu verwalten?
Nach genau einem Punkt: der Bilanz seiner bisherigen Trades.

Ist Trading, sowohl als intellektuelle Herausforderung als auch in der Praxis, jetzt leichter für Sie als früher?
Von der verstandesmäßigen Seite betrachtet ist Trading eine sehr einfache Sache. Man betrachtet fünf verschiedene Zahlen: Open, High, Low, Close und Profit. Daher ist die Komplexität von Trading eigentlich nicht vergleichbar mit Dingen die andere Leute machen. Es ist zum Beispiel weit weniger komplex als ein Buch zu veröffentlichen. Es zu layouten ist viel komplizierter als zu traden. Intellektuell gesehen ist Traden ein sehr einfaches Spiel aber emotional gesehen ist es das schwierigste Spiel der Welt.

Glauben Sie also, dass zum erfolgreichen Traden ein angeborenes Talent gehört oder kann man die nötigen Fähigkeiten auch erlernen?
Nun… Jeder braucht Übung. Aber manche können es einfach nicht. Das ist das Gleiche wie mit allen Dingen im Leben. Meine Eltern haben zum Beispiel eine Menge Energie und Geld dafür aufgewendet, dass ich Klavier spielen lerne, aber das Ergebnis ließ doch sehr zu wünschen übrig. Und so ist es auch mit dem Trading: Einige angeborene Fähigkeiten sind Voraussetzung. Oder nein, nicht Fähigkeiten sind Voraussetzung, sondern man darf keine außergewöhnlichen Schwächen auf einigen Gebieten haben. Jemand der nicht mit Zahlen umgehen kann, kann auch nicht traden. Man muss natürlich kein Mathematiker sein, trotzdem sollte man eine schnelle Auffassungsgabe im Bezug auf Zahlen haben. Oder jemand der sehr ängstlich ist kann auch nicht traden, weil allein die Vorstellung Geld zu verlieren ihm Alpträume bereitet.
Es gibt bestimmte Zeichen, die mir zeigen, ob jemand ein guter Trader werden kann oder nicht. Auf einem Seminar in Brüssel vor einigen Jahren zum Beispiel beschlossen wir nach der Veranstaltung noch alle zusammen zum Essen zu gehen. Wir waren also eine Gruppe von etwa 15 Personen und wir spazierten durch die Brüsseler Innenstadt von dem Konferenzzentrum zu dem Restaurant. Wir brauchten ungefähr eine viertel Stunde. Und ein Teilnehmer schaffte es auf diesem kurzen Stück fünf Mal verloren zu gehen, weil er einfach nicht dem Weg folgen konnte. Die Gruppe wartete oder ging ein Stück zurück, aber der Typ war so überheblich, dass er der Gruppe keine Beachtung schenkte. Und deswegen verlief er sich fünf Mal in 15 Minuten. Da wusste ich dass er niemals ein guter Trader werden würde.

Wie sehen Sie die Entwicklungen der Aktienmärkte in den letzten Jahren? Vor allem die vielleicht noch nie dagewesene Beliebtheit des Aktienhandels?
Dafür gibt es viele verschiedene Gründe: Zum Einen ist der Aktienhandel durch die technischen Entwicklungen wesentlich einfacher geworden. Der Aktienmarkt ist viel leichter zugänglich und auch wesentlich billiger geworden. Dieser Trend wird sich meiner Meinung nach weiter fortsetzen. Im Moment sind die Märkte schrecklich. Wir befinden uns mitten in einem Bärenmarkt und die Leute fangen an, den Markt zu verlassen. Aber irgendwann wird der Bärenmarkt abflachen und ein neuer Bullenmarkt einsetzen. Und dann werden diejenigen, die den Markt zu spät verlassen haben auch wieder zu spät zurückkommen.

Könnten Sie uns kurz etwas über sich selbst sagen? Was haben Sie gemacht bevor Sie Trader wurden?
Das steht alles in meinen Büchern. Ich habe Psychologie studiert und für viele Jahre auch praktiziert während ich versucht habe das Traden zu lernen. Dann habe ich die Psychologie irgendwann aufgegeben und bin Vollzeit ins Tradinggeschäft eingestiegen. Aber meine Wurzeln liegen in der Psychologie. Sie hat mich zu dem gemacht, der ich heute bin.

Erzählen Sie ein wenig über Ihren Tradingstil. Wie gehen Sie vor?
Ich mache meine Hausaufgaben am Wochenende. Ich plane wenn die Märkte geschlossen sind und wenn sie offen sind führe ich die geplanten Trades nur noch aus. Ich möchte mit einem Stück Papier auf dem mein Plan steht ins Büro kommen und von diesem Punkt an nur noch als Ausführender fungieren. Ich habe einen Plan und den muss ich ausführen. Die kreative Arbeit mache ich also wenn die Märkte geschlossen sind und die technische wenn sie geöffnet haben.

Haben Sie manchmal Angst vor dem Montag?
Ich liebe Montage. Manchmal kann ich den Montag kaum noch abwarten!

Wie sieht Ihre Risikotoleranz aus?
Das maximale Risiko, das ein Trader bei einem Trade eingehen sollte beträgt zwei Prozent. Wenn man über diese Zahl geht, wird das schnell eine Menge Geld. Meine eigene Risikotoleranz liegt weit unter einem Prozent. Sehr weit darunter.

Welche Maßnahmen unternehmen Sie um Kursrückgänge zu kontrollieren?
Ich setze Stops.

Trading ist ein sehr wettbewerbsorientiertes Business. Was verschafft Ihnen einen Vorsprung im Markt?
Eigentlich zwei Dinge: Disziplin und die Fähigkeit Charts richtig zu interpretieren. Das ist übrigens eine sehr gute Frage. Jeder professionelle Trader wird diese Frage sofort beantworten. Und wenn die Antwort nicht wie aus der Pistole geschossen kommt ist das ein sehr schlechtes Zeichen. Der große Warren Buffet sagte einmal: „Wenn man sich ein Pokerspiel anschaut, sollte man innerhalb einer viertel Stunde wissen wer der Verlierer ist. Wenn man das nicht erkennt, ist man selbst derjenige.“

Welchen Rat können Sie Einsteigern geben?
Führe Tagebuch. Über alles was du tust. Schreibe auf was du lernst, schreibe auf wie du Geld verdient hast und wie du Geld verloren hast. Einfach alles.

Und nun zu meiner letzten Frage: Wir haben inzwischen zwei Bücher über Trading und Poker. Glauben Sie da gibt es Gemeinsamkeiten?
Ich würde sagen ja. Ich bin zwar kein Pokerspieler, aber für mich ergibt das durchaus Sinn. Viele erfolgreiche Trader sind Spielernaturen und spielen Poker. Das ist ein sehr intelligentes Spiel und auch wenn ich kein Experte auf diesem Gebiet bin, ist die Verbindung aus Trading und Poker ein sehr interessantes und intelligentes Thema.

Vielen Dank für das Interview.

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