08.06.2010
Interview mit Alexandra Reinwarth zu ihren Erlebnissen, die sie in ihrem Buch "Miss Sex" verarbeitet hat
In unserer Gesellschaft ist Sex überall und geradezu inflationär. Sind wir vielleicht daher in der Realität verklemmter als jemals zuvor?
Ich empfinde die Leute verschwenderischer mit ihrem Körper aber gleichzeitig verklemmter, wenn sie sich verletzlich machen sollen.
Kann frau/man „Sex“ wirklich wie ein Schulfach angehen, wenn man sich darin fortbilden möchte?
Klar! Ich bin auch dafür, dass das in der Schule nicht einfach in Bio unter Fortpflanzung abgehandelt wird, sondern dass man wirklich informiert wird. Warum bekommt man Sex eigentlich nicht beigebracht? Praxisnah und bunt gefächert? Die schönste Sache der Welt und man muss alles im Selbstversuch herausfinden. Das ist doch ein Witz! Da lernt man in der Schule alles über Hoden, Nebenhoden und Beckenböden, aber was man damit anfangen soll, das lernt man nicht. Ein herzliches „Toi, toi, toi“ und der Hinweis auf Aids und Empfängnisverhütung. Das war’s.
Und das, obwohl Sex das ist, was wir alle haben können, jederzeit, überall. Es kostet (meistens) nichts und wir haben das nötige Equipment immer dabei! Ich fordere frühzeitige Kurse in Sachen sexuelles Krisenmanagement! Anleitungen mit Rollenspielen und Video-Feedback!
Viele Frauen leiden darunter nicht den perfekten Modelmaßen zu entsprechen und dem Partner somit nicht zu gefallen – was raten Sie diesen Frauen in Bezug auf ihre Sexualität?
Keine Ahnung. Ich persönlich verdrehe meinem Freund hin und wieder den Arm auf dem Rücken und zwinge ihn so, Komplimente über meine Figur machen. Aber das ist vielleicht eine Typsache.
Gibt es Übungen, die dabei helfen Hemmungen beim Liebesspiel abzulegen, wenn man nicht die „90-60-90“-Figur hat?
Ganz leicht: Licht dimmen.
In Ihrem Buch „Miss Sex“ beschreiben Sie in einem Kapitel ausführlich über die Wirkung von Aphrodisiaka. Was davon stimmt wirklich?
Öhm – was ich schreibe stimmt natürlich immer. Mein persönliches Lieblings-Aphrodisiaka ist allerdings eine Flasche Juvé & Camps Cava
In einem anderen Kapitel beschreiben Sie Ihre Erlebnisse während eines Strip-Kurses. Können Sie diese Erfahrung weiter empfehlen?
Absolut. Der Kurs wird mir immer unvergessen bleiben. Vor allem als ich in Dessous und hohen Schuhen zur Toilette gestöckelt bin: Im Tanzraum nebenan war gerade Hip-Hop-Unterricht und die haben eine Riesenglasscheibe zum Gang...
Während Ihrer erotischen Reise hatten Sie auch einige peinliche Momente. Haben dennoch alle Erfahrungen – auch die schlechten – Ihr Liebesleben in irgendeiner Weise beflügelt?
Ich hatte sagenhaft viele peinliche Momente. Aber gerade dann, wenn etwas so richtig in die Hosen ging und ich mich schämte oder wir uns auch vor Lachen auf die Schenkel hauten, das ergab eine Nähe und Verbundenheit, die einem im Alltag schon mal verloren geht. Und diese Stimmung ist die beste Voraussetzung für ein prima Liebesleben.
Was hat Ihnen und Ihrem Partner am meisten Lust bereitet?
Da gibt’s ein heißes Kopf-an-Kopf-Rennen zwischen der Beckenboden-Nummer und der Tantratante.
Kann man „Dirty Talk“ wirklich lernen und genießen?
Ja. Wenn man sich traut auch mal ausgelacht zu werden, kann man das lernen.
Nach allen Ihren Recherchen: Was macht die perfekte Liebhaberin wirklich aus?
Den Mut aufzubringen sich lächerlich zu machen