25.11.2008
Interview mit Cornelia Topf: "Körpersprache für Frauen"
Beeinflusst die Körpersprache unsere Wahrnehmung mehr als das gesprochene Wort?
Ja, es gilt die 55-38-7-Regel: Wir wirken zu 55 % durch optische Faktoren, und das ist ja überwiegend die Körpersprache, zu 38 % durch unsere Stimme und zu etwa 7% durch den Inhalt dessen, was wir sagen. Das ist für viele Menschen zunächst einmal erschreckend, weil sie dann denken: Lieber schön als klug, oder: Hauptsache, die Optik stimmt, egal, was ich für einen Mist rede. Das stimmt natürlich so nicht ganz, weil wir in einem längeren Gespräch oder einer Präsentation dann sehr wohl am Inhalt gemessen werden. Aber wenn die Körpersprache nicht stimmt, schenken wir dem Inhalt eben sehr viel weniger Glauben.
Hängt persönlicher Erfolg von unserer Körpersprache ab?
Auch. Wenn ich eine unterwürfige Haltung einnehme, kann ich mich nicht durchsetzen, wenn ich körpersprachliche Ticks habe, wirke ich eher behandlungsbedürftig denn kompetent und wenn ich ständig Distanzregeln breche, mache ich mich unsympathisch. An diesen Beispielen sieht man sehr gut, wie wichtig eine bewusste Körpersprache ist.
Kann man eine positive Körpersprache wirklich erlernen?
Ja. Aber das heißt nicht, dass auf einmal alle Menschen die gleiche Körpersprache haben oder anders gesagt: Es gibt nicht absolute Gesten, Bewegungen oder Haltungen, die zwangsläufig positiv wirken oder zum Erfolg führen. Man kann Körpersprache immer nur in Bezug und in Verbindung mit der Individualität eines Menschen sehen, auch wenn es natürlich verallgemeinerbare Regeln gibt. Zum Beispiel: Denken Sie an einen sehr großen Menschen, z.B. Thomas Gottschalk, zu dem passen ausholende, fast raumfüllende Gesten. Bei einem recht kleinen Menschen würde das eher unpassend wirken.
Wo genau liegt der Unterschied in der nonverbalen Kommunikation zwischen Frauen und Männern?
Kurz gesagt: Frauen machen sich schmal, Männer machen sich breit, sowohl im Stehen als auch im Sitzen. Das können Sie sehr einfach an der Bein- und Armhaltung beobachten. Das hat etwas mit Machtanspruch und Dominanzverhalten zu tun. Männer nehmen in der Regel mehr Raum ein als Frauen. Jeder kennt die Situation im Flugzeug: Mann und Frau müssen sich die ‚Armlehnen teilen. In der Regel breitet er sich aus und liest bequem seine Zeitung, während sie wie die Henne im Käfig die Flügel anklemmt. Oder denken Sie nur an die breitbeinige Sitzhaltung mancher Männer – für eine Frau undenkbar. Ähnliches zeigt sich an vielen anderen Haltungen und Gesten: Männer suchen den Hoch- Frauen oft eher den Tiefstatus.
Was würden Sie als typisch weibliche Körpersprache bezeichnen? Könnten Sie hierfür ein Beispiel nennen?
Sie neigt ihr Köpfchen, lächelt unsicher und wundert sich, wenn ihr Chef nicht auf Ihre Gehaltsforderung eingeht.
Worauf sollten Frauen bei der nonverbalen Kommunikation achten, wenn sie beispielsweise im Wettbewerb um einen Job gegenüber den männlichen Mitbewerbern die Nase vorn haben wollen. Könnten Sie uns ein paar anschauliche Ratschläge geben?
Die Forschung hat gezeigt, dass eher männlich wirkende Frauen bei Einstellung und Beförderung oft vorgezogen werden. Keine Angst, keine Frau muss sich einen Bart wachsen lassen. Aber ein dümmlich offenstehendes Mündchen, treudoofer Augenaufschlag, unsicheres Trippeln, viel Schmuck, lange Locken und ein tiefes Dekolleté helfen weit weniger als ein etwas forscheres Auftreten, ernster Blick, dezenter Schmuck, eine etwas strengere Frisur.
Welche Einstiegstipps würden Sie Frauen an die Hand geben, die ihre Gestik und Mimik optimieren wollen?
Selbstkritisch in den Spiegel gucken: Wie wirkt die Frau, die ich da sehe? Dynamisch, aktiv, interessiert, lebhaft, lebendig, seriös, langweilig, depressiv, übergewichtig, altmodisch, flott, aufgeschlossen…..?
Vergleichen der Ist-Wirkung mit der Sollwirkung: Stimmt das überein?Was stimmt nicht? Was muss ich ändern, um meine Sollwirkung zu erreichen?
Sie haben keine Ahnung wie Sie wirken? Sie wissen zwar , wie Sie derzeit wirken, wissen aber nicht, wie Sie ihre Wunsch-Wirkung erreichen? Holen Sie sich feedback bei Ihrer besten Freundin, einer guten Kollegin, Ihrer Chefin, einer Expertin… Lesen ie ein gutes Buch über Körpersprache für Frauen, besuche Sie ein Seminar, engagieren Sie einen Coach….