01.04.2011
Interview mit Heide Neukirchen, Autorin von "Wer hat's erfunden?"
Jung von Matt ist eine der einflussreichsten Werbeagenturen in Europa. Die Journalistin Heide Neukirchen konnte als unabhängige Beobachterin für einige Wochen hinter die Kulissen des „Hauptquartiers der Versuchung“ (Der Spiegel) blicken. Jetzt hat Sie über Ihre Erfahrungen in der Agentur ein Buch geschrieben. Der Titel des kurzweiligen Unternehmensportraits: „Wer hat’s erfunden? Die Geheimnisse von Europas einflussreichster Werbeagentur – Jung von Matt“
Frau Neukirchen, wie sind Sie auf die Idee gekommen ein Buch über die Werbeagentur Jung von Matt zu schreiben
Heide Neukirchen: Werbung ist ein faszinierendes Geschäft. In einer Agentur passieren täglich mehr interessante Storys als in anderen Branchen während eines ganzen Jahres. Das hat mein journalistisches Interesse geweckt.
Was hat Sie an Jung von Matt besonders fasziniert?
Heide Neukirchen: Werbung ist vor allem People-Business. Die beiden Gründer und Lenker der Agentur - Jean-Remy von Matt und Holger Jung - sind zwei außergewöhnliche Persönlichkeiten. Das ist für eine Journalistin immer spannend.
Was fanden Sie bei Ihren Recherchen ungewöhnlich?
Heide Neukirchen: Für die Agentur mit ihren kreativen Sensibelchen gelten dieselben Tugenden wie für alle erfolgreichen Unternehmen: Fleiß, Pünktlichkeit, Ausdauer und ein hoher Qualitätsanspruch. Disziplin statt Chaos. Das hatte ich anfangs nicht so erwartet.
Jung von Matt polarisiert. Die einen lieben die Werber mit dem Markenzeichen des Trojanischen Pferdes, andere beäugen die Hamburger Agentur kritisch. Woran liegt das?
Heide Neukirchen: Wer 20 Jahre lang dieselbe Strategie erfolgreich durchhält, nervt die Konkurrenz. Der Anspruch, die Besten zu sein und die beste Werbung zu machen, ist ziemlich penetrant. Da liegt es auf der Hand öfters anzuecken.
Wie wird es mit Jung von Matt in der Zukunft weitergehen? Ist die Agentur für die Zeit nach den Gründern gut aufgestellt?
Heide Neukirchen: Das ist eine spannende Frage. Ich beschreibe die Vorkehrungen, die bei Jung v. Matt für den bevorstehenden Generationswechsel getroffen wurden, in meinem Buch. Der Umbruch durch die Digitalisierung kommt hinzu. Alle Agenturen verpassen sich derzeit neue Geschäftsmodelle. In 10 Jahren wird man sagen können, ob es funktioniert hat oder nicht.
Warum sollte man Ihr Buch lesen?
Heide Neukirchen: Mir war es wichtig in meinem Buch den Nutzwert möglichst amüsant zu verpacken. Wenn ich mir die bisher erschienenen Kritiken ansehe, ist mir dieses Vorhaben geglückt.